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Hinter dem schweren Holztor der alten Schmiede beginnt eine andere Welt. Wulfrieds Welt. Sein Werkstatt-Atelier ist sein Refugium, in über 35 Jahren gewachsen und mit dem Künstler verwachsen, eine Wunderkammer voller wundersamer Objekte, Stelen, Skulpturen, Bilder, Werkzeuge, Stahlplatten und Schrott - für Wulfried der Rohstoff, der irgendwann einmal zu Kunst wird. Vielleicht noch in diesem Leben. Noch geben hier die vorbeirauschenden S-Bahn-Züge und die hellen, harten Schläge des Schmiedehammers den Rhythmus vor. Ein monumentales Werk in sieben Reliefs und 5 Zwischentafeln, jedes über einen Meter breit und über 3 Meter hoch, ist zu vollenden, es wird die Schöpfungsgeschichte erzählen. Einen Käufer gibt es bisher nicht, aber seinen eisernen Willen.

Wulfrieds Welt ist bedroht, den Krebs hat er einmal schon besiegt, doch wie lange wird er noch mit der schweren körperlichen Arbeit zurecht kommen? Der neue Vermieter der Werk-statt interessiert sich mehr für Geld als für Kunst. Noch immer interessieren sich aber viele andere für Wulfrieds Arbeiten. Geld haben sie trotzdem nicht, viele ehemalige Sammler und Förderer sind gestorben. Wulfried kämpft gegen die Ungewissheiten mit Disziplin, ungebrochener Schaffenskraft und künstlerischem Ausdruckswillen. Da sind noch sein bayerisch-berliner Humor, der schöpferische Sturschädel, der weiterarbeiten will an den Baustellen seines Lebens. Zum Beispiel auf seinem Grundstück in Italien, an der alten Mühle, wohin der Autor den Künstler begleitet. Da ist aber auch die Sehnsucht, loszulassen, sich zu befreien, etwas weiterzugeben an andere, die es fortsetzen.

Wulfried O. Hengstenberg wurde am 4. August 1936 als ältester Sohn eines Kaufmanns für Hochöfen und einer Krankenschwester in Freiburg im Breisgau geboren, unmittelbar nach der abenteuerlichen Flucht der Eltern während des Spanischen Bürgerkriegs aus Barcelona mit eines der letzten Schiffe, wo sich die beiden Auswanderer Anfang der 1930er Jahre kennen gelernt hatten. Wulfried wuchs mit drei jüngeren Geschwistern in München auf, wo er von 1953 bis 1955 eine Glasmalerlehre in der Mayerschen Hofkunstanstalt absolvierte. In dieser Zeit wurden dort die im Krieg ausgelagerten Kirchenfenster des Münchener Doms restauriert und Wulfried knüpfte erste Kontakte zu Lehrern der Münchener Akademie der Bildenden Künste, die an den Arbeiten beteiligt waren. 1956 begann Hengstenberg sein Studium an der Münchener Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Kaspar und wurde 1959 sein Meisterschüler. Parallel zum Kunststudium hörte er Vorlesungen in Kunst-geschichte bei Hans Sedlmayr und in Philosophie bei Romano Gardini und José Ortega y Gasset. 1963 erhielt Wulfried O. Hengstenberg den Jahresförderpreis für Malerei der Bayerischen Akademie der Künste mit großer Ausstellung und studierte anschließend bis 1966 an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin bei Hann Trier und Herrmann Bachmann. Seither arbeitete er als Freier Maler, Kunstschmied und Bildhauer in Berlin und Norditalien. 2005 erkrankte er an Krebs, entwickelte jedoch nach seiner Genesung neue ungebrochene Schaffenskraft.

Produktion pixeltransfer design studio
Buch/Regie Benjamin Ochse
Kamera Benjamin Ochse
Schnitt N.N.
Sound Design N.N.

Länge ca. 60 Min.
Drehorte Berlin, Barcelona, München, Ligurien bei Imperia, auf See
Format 16:9 (1:1,78), Farbe s/w
Sprache Deutsch
Ton Dolby Stereo | 5.1 Festivalfassung